Kurzdefinition
Als Fachkräftemangel ZFA wird die anhaltende Lücke zwischen dem Personalbedarf der Zahnarztpraxen und der Zahl verfügbarer, qualifizierter Zahnmedizinischer Fachangestellter bezeichnet. Die Bundesagentur für Arbeit führt den Beruf unter den am stärksten betroffenen Engpassberufen, obwohl die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge zuletzt wieder gestiegen ist.
Auf einen Blick
- Nach der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zählten 2024 insgesamt 163 von rund 1.200 bewerteten Berufen zu den Engpassberufen; ZFA standen dabei laut Kassenzahnärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg an der Spitze (Bundesagentur für Arbeit, 2025; Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, 2025).
- Zum Stichtag 30. September 2025 wurden bundesweit 17.396 neue ZFA-Ausbildungsverträge geschlossen, rund 7,5 Prozent mehr als zum Vorjahresstichtag (Bundeszahnärztekammer, 2025).
- Rund 226.000 ZFA arbeiten derzeit in deutschen Praxen, neben 73.511 aktiven Zahnärztinnen und Zahnärzten (Bundeszahnärztekammer, 04.12.2025).
- 2024 bildeten rund 43 Prozent aller Zahnarztpraxen aus; Ausbildungsplätze stellten damit knapp jede zehnte Stelle in Praxen (Bundeszahnärztekammer, 04.12.2025).
- 2024 wurden 5.634 ZFA-Ausbildungsverträge (36,7 Prozent) vorzeitig gelöst, zugleich waren 4.875 ZFA arbeitslos gemeldet, ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2023 (Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 16.11.2025).
Einordnung
Der Begriff stützt sich vor allem auf die jährliche Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Sie bewertet rund 1.200 Berufsgattungen danach, wie schwer offene Stellen zu besetzen sind, und stuft einen Beruf ab einem Punktwert von 2,0 als Engpassberuf ein, Werte zwischen 1,5 und 2,0 gelten als unter Beobachtung (Bundesagentur für Arbeit, Methodenbericht zur Engpassanalyse). 2024 waren 163 Berufe als Engpassberufe eingestuft, nach 183 im Jahr 2023; die aktuelle Fachkräfteengpassanalyse 2025 weist noch 157 Engpassberufe aus (Bundesagentur für Arbeit, 2025). ZFA lagen 2024 laut Kassenzahnärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg an der Spitze dieser Liste, weil in keinem anderen Beruf so viele Fachkräfte fehlten wie hier.
Der Engpass entsteht nicht aus mangelndem Ausbildungsengagement der Praxen. Nach Angaben der Bundeszahnärztekammer bildeten 2024 rund 43 Prozent aller Zahnarztpraxen aus, und die Zahl neuer Ausbildungsverträge stieg zum Stichtag 30. September 2025 bundesweit auf 17.396 (Bundeszahnärztekammer, 2025). Der Mangel entsteht eher aus einer Kombination von Faktoren: 2024 wurden 36,7 Prozent aller Verträge vorzeitig gelöst, im Vorjahr sogar 38,1 Prozent (Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 2025). Mehr Ausbildungsplätze allein schließen den Engpass damit nicht, solange ein erheblicher Teil der Verhältnisse nicht bis zum Abschluss in der Praxis bleibt.
Relevanz für die Praxis
Für die einzelne Praxis wirkt sich der Fachkräftemangel unmittelbar auf die Behandlungskapazität aus. Bundesweit kommen auf jede aktive Zahnärztin und jeden aktiven Zahnarzt rechnerisch rund drei ZFA (226.000 ZFA gegenüber 73.511 aktiven Zahnärztinnen und Zahnärzten, Bundeszahnärztekammer, 04.12.2025); diese Relation ist selbst berechnet und keine Kennziffer der Bundeszahnärztekammer. Fehlt auch nur eine ZFA-Stelle über längere Zeit, verschieben sich Assistenz, Hygiene, Abrechnung und Terminorganisation, und die Terminkapazität sinkt oft stärker, als die reine Kopfzahl vermuten lässt.
Da ZFA laut Bundesagentur für Arbeit und Kassenzahnärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg zu den am stärksten von Engpässen betroffenen Berufen zählen, lässt sich eine offene Stelle kaum kurzfristig über den externen Bewerbermarkt schließen. Die eigene Ausbildung bleibt damit der planbarste Zugang zu Personal, verlangt aber Ausdauer: Mit einer Vertragslösungsquote von 36,7 Prozent im Jahr 2024 (Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 16.11.2025) sollten Sie einplanen, dass nicht jeder Vertrag bis zur Prüfung trägt.
Regional fällt der Engpass unterschiedlich stark aus: Die Ausbildungszahlen der Landes- und Bezirkszahnärztekammern schwankten 2025 gegenüber 2024 von deutlichen Zuwächsen bis zu Rückgängen einzelner Kammerbereiche (Bundeszahnärztekammer, 2025). Für die einzelne Praxis entscheidet damit die eigene Region mit über die tatsächliche Lage, nicht allein der Bundestrend. Zugleich waren 2024 bundesweit 4.875 ZFA arbeitslos gemeldet, ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2023 (Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 2025); ein Engpassberuf schließt regionale oder saisonale Arbeitslosigkeit also nicht aus.
Was bei der Umsetzung zählt
In der Praxis zeigt sich, dass mehrere Stellschrauben gleichzeitig wirken müssen, um dem Engpass zu begegnen. Eine strukturierte Einarbeitung mit klaren Zuständigkeiten senkt erfahrungsgemäß das Risiko vorzeitiger Abbrüche, gerade weil die Vertragslösungsquote im Beruf insgesamt hoch ist (36,7 Prozent im Jahr 2024, Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 2025). Aufstiegswege wie die Fachassistenz in der Kieferorthopädie, die zahnmedizinische Prophylaxeassistenz oder die Verwaltungsassistenz sollten Sie früh und konkret ansprechen, weil sichtbare Perspektiven ein Argument gegen den Wechsel in fachfremde Berufe sind.
Beim Recruiting zählt Geschwindigkeit: In einem Engpassberuf sind aussichtsreiche Bewerberinnen und Bewerber häufig innerhalb weniger Tage anderweitig gebunden, ein mehrstufiger Auswahlprozess über Wochen kostet deshalb oft genau die Kandidatinnen und Kandidaten, die eine Praxis halten möchte. Schulkooperationen, Praktikumsplätze und Ausbildungsmessen wirken eher mittelfristig, sind aber neben Stellenanzeigen ein zweiter, planbarer Zugang zu Nachwuchs.
Wo der regionale Bewerbermarkt strukturell knapp bleibt, prüfen manche Praxen zusätzlich die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen als ergänzenden Zugang. Die Bearbeitungsdauer solcher Verfahren unterscheidet sich je nach zuständiger Stelle und Herkunftsland erheblich, eine pauschale Zeitangabe lässt sich deshalb hier nicht seriös treffen.
Zahlen und Kontext
Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse: 2024 stufte die Behörde 163 von rund 1.200 bewerteten Berufen als Engpassberufe ein, 2023 waren es 183, aktuell (2025) noch 157. Ab einem Punktwert von 2,0 gilt ein Beruf als Engpassberuf, Werte zwischen 1,5 und 2,0 stehen unter Beobachtung.
Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (24.07.2025), mit Bezug auf die Fachkräfteengpassanalyse 2024 der Bundesagentur für Arbeit: ZFA standen 2024 an der Spitze der Engpassberufe, weil in keinem anderen Beruf so viele Fachkräfte fehlten wie hier.
Bundeszahnärztekammer, Ausbildungszahlen ZFA 2025: Zum Stichtag 30. September 2025 wurden bundesweit 17.396 neue ZFA-Ausbildungsverträge geschlossen (15.385 in den alten, 2.011 in den neuen Bundesländern), rund 7,53 Prozent mehr als zum Vorjahresstichtag und mehr als in jedem Jahr seit mindestens 1996 (15.008 Verträge damals, 11.650 im Jahr 2005).
Bundeszahnärztekammer, Pressemitteilung vom 04.12.2025 (Statistisches Jahrbuch): Rund 226.000 ZFA sind derzeit bundesweit tätig, neben 73.511 aktiven Zahnärztinnen und Zahnärzten. 2024 bildeten rund 43 Prozent aller Zahnarztpraxen aus, Ausbildungsplätze stellten damit knapp jede zehnte Stelle in Praxen.
Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 16.11.2025: 2024 wurden 5.634 ZFA-Ausbildungsverträge (36,7 Prozent, Vorjahr 38,1 Prozent) vorzeitig gelöst, zugleich waren 4.875 ZFA arbeitslos gemeldet, ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2023. Die Erfolgsquote bei ZFA-Abschlussprüfungen lag 2024 bei 84,2 Prozent.
Typische Fehler
Ausbildung als reine Lückenfüller-Tätigkeit behandeln. Erhalten Auszubildende überwiegend einfache Handreichungen statt eine strukturierte Ausbildung nach Rahmenplan, steigt das Abbruchrisiko, und die investierte Zeit geht verloren, bevor eine examinierte Fachkraft daraus wird.
Ausschließlich auf externe Bewerbungen setzen. Wer keine eigene Ausbildung anbietet, konkurriert allein über den freien Arbeitsmarkt um dieselben knappen ZFA wie jede andere Praxis der Region, offene Stellen bleiben dadurch länger unbesetzt.
Aufstiegsperspektiven nicht sichtbar machen. Bleiben Fortbildungswege wie Prophylaxe- oder Verwaltungsassistenz unkommuniziert, sehen erfahrene ZFA seltener einen Grund, in der Praxis zu bleiben, statt in ein besser vermarktetes Angebot zu wechseln.
Bewerbungsprozesse zu langsam gestalten. Zieht sich die Auswahl über mehrere Wochen, sind aussichtsreiche Bewerberinnen und Bewerber in einem Engpassberuf häufig schon von einer anderen Praxis gebunden.
Häufige Fragen
Ist der Fachkräftemangel bei ZFA überall in Deutschland gleich stark? Nein. Die Ausbildungszahlen der Landes- und Bezirkszahnärztekammern schwanken regional erheblich: 2025 stiegen die Vertragszahlen gegenüber 2024 in Brandenburg um rund 47 Prozent, während sie in Koblenz um rund 19 Prozent sanken (Bundeszahnärztekammer, 2025). Die eigene Region entscheidet mit über die tatsächliche Lage.
Warum bleibt der Mangel bestehen, obwohl mehr ZFA ausgebildet werden? Die Zahl neuer Ausbildungsverträge stieg 2025 auf 17.396, zugleich wurden 2024 rund 36,7 Prozent aller Verträge vorzeitig gelöst (Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, zm-online, 2025). Ein erheblicher Teil endet damit nicht mit einem Abschluss, mehr Verträge führen also nicht automatisch zu mehr examinierten Fachkräften.
Sind kieferorthopädische Praxen stärker betroffen als allgemeinzahnärztliche Praxen? Nach Fachrichtung getrennte Zahlen zum ZFA-Engpass liegen in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit bewertet den bundeseinheitlichen Ausbildungsberuf ZFA insgesamt, unabhängig davon, ob die anstellende Praxis kieferorthopädisch oder allgemeinzahnärztlich ausgerichtet ist. Eine eigene ZFA-Ausbildung nur für Kieferorthopädie gibt es ebenfalls nicht, der Engpass betrifft beide Praxistypen über denselben Bewerbermarkt.
Hilft die Anerkennung ausländischer Abschlüsse gegen den Mangel? Sie kann in einzelnen Regionen einen ergänzenden Zugang zu Personal schaffen, ersetzt die eigene Ausbildung als Hauptkanal aber nicht. Belastbare bundesweite Zahlen dazu, wie viele Praxen diesen Weg nutzen oder wie lange Anerkennungsverfahren dauern, liegen in den für diesen Beitrag ausgewerteten Quellen nicht vor.
Verwandte Begriffe
Fachkräftemangel in der Zahnarztpraxis: der umfassendere Blick auf den Personalengpass über die ZFA hinaus, etwa bei angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten.
Dental Recruiting Zahnarztpraxis: die konkrete Gewinnung von Personal durch Stellenanzeige, Auswahlprozess und Ansprache.
ZFA-Ausbildung im Praxisbetrieb: die praktische Organisation der dreijährigen dualen Ausbildung innerhalb der Praxis.
ZFA-Gehalt und Einstufung in der Zahnarztpraxis: die Vergütungsstruktur, die neben der Ausbildung über Bindung und Abwanderung mitentscheidet.
Employer Branding in der Zahnarztpraxis: die längerfristige Positionierung als Arbeitgeberin gegenüber einem strukturell knappen Bewerbermarkt.
Quellen
- Bundeszahnärztekammer (BZÄK): 13.614 neue ZFA: So boomt der drittbeliebteste Ausbildungsberuf. Pressemitteilung zum Statistischen Jahrbuch. 04.12.2025. https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/pm25/251204_St_JB.pdf
- Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Ausbildungszahlen Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) 2025 in Deutschland. 2025. https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/za/ZFA/ausbildungszahlen.pdf
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse. 2025. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Fachkraefteengpassanalyse/Fachkraefteengpassanalyse.html
- Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg: Fachkräftemangel: ZFA auf Platz eins der Engpassberufe. 24.07.2025. https://www.kzvbw.de/aktuelles/2025/fachkraeftemangel-zfa-auf-platz-eins-der-engpassberufe/
- Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Es kommen wieder mehr junge Fachkräfte in die Zahnarztpraxen. zm-online, Zahnärztliche Mitteilungen 22/2025. 16.11.2025. https://www.zm-online.de/artikel/2025/zm-2025-22/es-kommen-wieder-mehr-junge-fachkraefte-in-die-zahnarztpraxen
Unsicherheiten
Die Bundeszahnärztekammer nennt für neu abgeschlossene ZFA-Ausbildungsverträge zwei Zahlen mit unterschiedlicher Zähllogik: 13.614 für im Kalenderjahr 2024 begonnene Ausbildungen (Pressemitteilung vom 04.12.2025) gegenüber 17.396 zum Stichtag 30. September 2025 (Ausbildungszahlen ZFA 2025); im Text wird deshalb nur die Stichtagszahl verwendet. Diese Stichtagsstatistik weist für 2024 zudem zwei leicht abweichende Summen aus (16.178 gegenüber 16.003), weshalb kein genauer Vorjahreswert genannt wird.
Die Aussage, ZFA stünden 2024 an der Spitze der Engpassberufe, stammt aus der Berichterstattung einer Landeskörperschaft (Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg) über die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit; die vollständige Rangliste aller bewerteten Berufe lag für diese Recherche nicht vor. Vakanzzeiten und Bearbeitungsdauern von Anerkennungsverfahren ließen sich in keiner geprüften Quelle belastbar bestätigen und wurden deshalb weggelassen. Für kieferorthopädische Praxen liegen keine gesondert ausgewiesenen Zahlen vor.
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