Praxis-Betriebswirtschaft

Laborkostenquote in der Zahnarztpraxis

Zuletzt geprüft am 22. Juli 2026 8 Minuten Lesezeit

Kurzdefinition

Die Laborkostenquote bezeichnet den Anteil der Ausgaben für Arbeiten von Fremdlaboratorien an Umsatz oder Betriebsausgaben einer Zahnarztpraxis, ausgedrückt in Prozent. Sie erfasst die an externe Dentallabore gezahlten Vergütungen für Zahnersatz und andere laborgefertigte Leistungen und zählt neben den Personalausgaben zu den größten Einzelkostenblöcken einer Praxis.

Auf einen Blick

  • Die Ausgaben für Arbeiten von Fremdlaboratorien lagen 2023 bei 109.200 Euro je Praxisinhaber und damit bei 23,6 Prozent der Betriebsausgaben, dem zweitgrößten Kostenblock nach den Personalausgaben (KZBV Jahrbuch 2025).
  • Von 2022 auf 2023 stiegen sie um 7,9 Prozent, fast im Gleichschritt mit den Betriebsausgaben insgesamt (+7,4 Prozent) (KZBV Jahrbuch 2025).
  • Bezogen auf die Gesamteinnahmen entspricht das rechnerisch rund 16 Prozent (eigene Berechnung auf Basis KZBV Jahrbuch 2025).
  • In den neuen Bundesländern erreichte die Laborkostenquote 2023 mit 28,5 Prozent der Betriebsausgaben einen deutlich höheren Wert als in den alten Bundesländern mit 22,8 Prozent (KZBV Jahrbuch 2025).
  • Die KZBV weist Umsatz und Betriebsausgaben zusätzlich “fremdlaborbereinigt” aus, weil die Fremdlaborausgaben für den Zahnarzt ein durchlaufender Posten sind (KZBV Jahrbuch 2025).

Einordnung

Die Laborkostenquote ist kein gesetzlich definierter Begriff, sondern eine in der Praxisberatung gebräuchliche Bezeichnung für das Verhältnis der an externe Dentallabore gezahlten Vergütungen zum Praxisumsatz oder zu den Betriebsausgaben. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) selbst verwendet in ihrem Jahrbuch die Position “Ausgaben für Arbeiten von Fremdlaboratorien” und weist deren Anteil an den Betriebsausgaben aus. Datenbasis ist wie bei den meisten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen dieser Art das Zahnärzte-Praxis-Panel (ZäPP) des Zentralinstituts für die kassenzahnärztliche Versorgung in Deutschland (Zi), das die KZBV im Jahrbuch auswertet.

Von der Laborkostenquote begrifflich zu trennen ist die Materialkostenquote. Die KZBV führt “Ausgaben für Material für Praxis und Labor” als eigene, deutlich kleinere Position, die praxisintern verbrauchtes Material erfasst, nicht die an externe Labore gezahlten Vergütungen. Beide Positionen zusammen machten 2023 rund 31,7 Prozent der Betriebsausgaben aus, wobei der Fremdlaboranteil mit 23,6 Prozent den weit größeren Teil stellte (KZBV Jahrbuch 2025).

Eine methodische Besonderheit der Fremdlaborausgaben ist ihre Behandlung als durchlaufender Posten. Nach eigener Darstellung der KZBV werden sowohl die Umsatz- als auch die Ausgabenentwicklung einer Praxis durch diese Position beeinflusst, weil ein Zahnarzt sie über den Heil- und Kostenplan an Krankenkasse und Patient weiterreicht. Deshalb weist die KZBV parallel zu den regulären Werten auch “fremdlaborbereinigte” Gesamteinnahmen und Betriebsausgaben aus, die diesen Posten herausrechnen (KZBV Jahrbuch 2025).

Relevanz für die Praxis

Als zweitgrößter Kostenblock nach den Personalausgaben stehen die Fremdlaborausgaben deutlich vor den praxisinternen Materialausgaben (8,1 Prozent) und den Raumkosten (6,0 Prozent) (KZBV Jahrbuch 2025). Anders als bei den Personalkosten handelt es sich hier überwiegend um einen Posten, der unmittelbar an Menge und Art der erbrachten Zahnersatzleistungen gekoppelt ist und den die Praxis über den Heil- und Kostenplan weiterreicht.

Auffällig ist die regionale Verteilung, die einem anderen Muster folgt als bei den Personalkosten. Während die Personalkostenquote in den alten Bundesländern höher liegt als in den neuen, ist es bei der Laborkostenquote umgekehrt, und der Abstand hat sich gegenüber 2022 (rund 4,2 Prozentpunkte) auf rund 5,7 Prozentpunkte vergrößert, weil die Fremdlaborausgaben in den neuen Bundesländern mit 17,4 Prozent deutlich stärker wuchsen als in den alten Bundesländern mit 7,8 Prozent (KZBV Jahrbuch 2025). Für Sie als Praxisinhaber im Osten Deutschlands bedeutet das: Ein überdurchschnittlicher Laboranteil an den Betriebsausgaben ist zunächst kein individuelles Alarmsignal, sondern spiegelt teilweise einen bundesweiten, sich verstärkenden Regionaleffekt.

Wirtschaftlich zeigt sich die Bedeutung der Fremdlaborausgaben auch in der Kalkulation je Behandlungsstunde: 2023 lagen die bundesweiten Betriebsausgaben ohne Fremdlabor bei 259 Euro pro Behandlungsstunde, unter Einbeziehung der Fremdlaborausgaben bei einem Gesamtumsatzbedarf von 497 Euro pro Stunde (KZBV Jahrbuch 2025). Der Unterschied von rund 238 Euro macht sichtbar, welchen Anteil laborintensive Leistungen an der Stundenkalkulation einer Praxis haben können.

Was bei der Umsetzung zählt

Definieren Sie zunächst die Bezugsgröße Ihrer Laborkostenquote eindeutig, Praxisumsatz oder Betriebsausgaben insgesamt, und behalten Sie diese bei jedem Vergleich bei, da beide Varianten unterschiedliche Werte liefern und nur innerhalb derselben Bezugsgröße vergleichbar sind.

Trennen Sie Fremdlaborausgaben konsequent von praxisintern verbrauchtem Material. Beide Positionen erscheinen in der Buchhaltung mitunter auf ähnlichen Konten, sind bei der KZBV aber getrennt ausgewiesen; eine Vermischung verzerrt sowohl die Laborkostenquote als auch die Materialkostenquote.

Ziehen Sie für die eigene Praxisplanung nach Möglichkeit die fremdlaborbereinigten Werte heran, wenn Sie die operative Entwicklung Ihrer Praxis unabhängig vom durchlaufenden Postenanteil beurteilen wollen. Für die Liquiditäts- und Rentabilitätsplanung bleibt daneben die unbereinigte Betrachtung wichtig, weil die Fremdlaborrechnung real beglichen werden muss, bevor die entsprechende Vergütung von Krankenkasse oder Patient eingeht.

Berücksichtigen Sie bei Jahresvergleichen, dass die Jahre 2020 und 2021 wegen pandemiebedingter Sondereffekte nur eingeschränkt als Referenzwert taugen (KZBV Jahrbuch 2025). Prüfen Sie bei Berufsausübungsgemeinschaften außerdem, ob eine Quote je Praxis oder je Inhaber gebildet wird, weil beide Sichtweisen bei gleichem Prozentwert zu unterschiedlichen absoluten Beträgen führen.

Zahlen und Kontext

Nach dem KZBV Jahrbuch 2025 (Datenbasis: Zahnärzte-Praxis-Panel des Zi, Erhebung 2024 für 2022/2023) betrugen die Ausgaben für Arbeiten von Fremdlaboratorien je Praxisinhaber 2023 bundesweit 109.200 Euro (23,6 Prozent der Betriebsausgaben); 2022 waren es 101.200 Euro (23,5 Prozent) (Tab. 5.3, S. 118). Bei Gesamteinnahmen von 677.900 Euro (2023) beziehungsweise 625.900 Euro (2022) entspricht das rechnerisch rund 16,1 Prozent (2023) beziehungsweise 16,2 Prozent (2022) der Gesamteinnahmen (eigene Berechnung).

Regional lag die Quote 2023 in den alten Bundesländern bei 22,8 Prozent der Betriebsausgaben (111.000 Euro; 2022: 22,9 Prozent, 103.000 Euro), in den neuen Bundesländern bei 28,5 Prozent (105.500 Euro; 2022: 27,1 Prozent, 89.900 Euro), bei Wachstumsraten von 7,8 Prozent (alte Bundesländer) und 17,4 Prozent (neue Bundesländer) (Tab. 5.7 und 5.11).

Zum Vergleich: Die praxisinternen Ausgaben für Material für Praxis und Labor lagen 2023 bei 37.700 Euro je Inhaber beziehungsweise 8,1 Prozent der Betriebsausgaben (Tab. 5.3). Die fremdlaborbereinigten Gesamteinnahmen lagen 2023 bei 568.700 Euro je Inhaber (2022: 524.700 Euro), die fremdlaborbereinigten Betriebsausgaben bei 354.000 Euro (2022: 330.000 Euro).

Aus der durchschnittlichen Behandlungszeit von 32,5 Stunden pro Woche ergaben sich 2023 rechnerisch 1.365 Behandlungsstunden im Jahr; daraus errechnet die KZBV Betriebsausgaben ohne Fremdlabor von 259 Euro und einen Gesamtumsatzbedarf von 497 Euro je Behandlungsstunde (KZBV Jahrbuch 2025). Auch das Statistische Bundesamt erhebt periodisch Kostenstrukturdaten zu Zahnarztpraxen; eine neue Ausgabe war laut Pressevorschau für den 23.07.2026 angekündigt und lag zum Prüfdatum dieses Beitrags noch nicht vor.

Typische Fehler

Fremdlaborausgaben und praxisinterne Materialkosten werden vermischt. Die KZBV weist beide Positionen getrennt aus; wer sie zusammenzählt, kann weder die Laborkostenquote noch die Materialkostenquote sinnvoll mit den KZBV-Referenzwerten vergleichen.

Die Laborkostenquote wird ohne fremdlaborbereinigten Vergleichswert interpretiert. Weil die Fremdlaborausgaben ein durchlaufender Posten sind, verzerrt ihr Anteil die Einschätzung der eigentlichen Praxisrentabilität, wenn er nicht gesondert herausgerechnet wird (KZBV Jahrbuch 2025).

Der bundesweite Durchschnittswert wird unreflektiert auf die eigene Region übertragen. Zwischen alten und neuen Bundesländern lag die Laborkostenquote 2023 rund 5,7 Prozentpunkte auseinander, mit steigender Tendenz (KZBV Jahrbuch 2025); ein pauschaler Vergleich ohne Regionalbezug führt zu Fehleinschätzungen.

Ein Jahr mit Sondereffekten wird als Normwert übernommen. Die Jahre 2020 und 2021 enthalten pandemiebedingte Sonderentwicklungen, die eine Kostenplanung auf dieser Basis verzerren würden (KZBV Jahrbuch 2025).

Häufige Fragen

Wie hoch ist die durchschnittliche Laborkostenquote einer Zahnarztpraxis? Nach dem KZBV Jahrbuch 2025 lagen die Ausgaben für Arbeiten von Fremdlaboratorien 2023 bei 23,6 Prozent der Betriebsausgaben je Praxisinhaber (2022: 23,5 Prozent), bezogen auf die Gesamteinnahmen rechnerisch rund 16 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt ist ein grober Orientierungswert; Fachrichtung, Praxisgröße und Region verschieben die individuelle Quote.

Was unterscheidet die Laborkostenquote von der Materialkostenquote? Die Laborkostenquote erfasst Vergütungen an externe Dentallabore, die Materialkostenquote das praxisintern verbrauchte Material. Beide Positionen führt die KZBV getrennt, 2023 mit 23,6 Prozent gegenüber 8,1 Prozent der Betriebsausgaben.

Warum weist die KZBV “fremdlaborbereinigte” Zahlen aus? Weil die Fremdlaborausgaben ein durchlaufender Posten sind, der über den Heil- und Kostenplan weitergereicht wird, rechnet die KZBV sie heraus, um die operative Entwicklung der Praxis unabhängig davon sichtbar zu machen.

Unterscheidet sich die Laborkostenquote zwischen alten und neuen Bundesländern? Ja, und deutlicher als bei den meisten anderen Kostenpositionen. 2023 lag sie in den neuen Bundesländern bei 28,5 Prozent der Betriebsausgaben, in den alten bei 22,8 Prozent, mit wachsendem Abstand gegenüber 2022.

Verwandte Begriffe

Liquiditätsplanung in der Zahnarztpraxis: Die Fremdlaborrechnung muss beglichen werden, bevor die entsprechende Vergütung von Krankenkasse oder Patient eingeht, was die Laborkostenquote zu einem eigenen Liquiditätsfaktor macht.

Materialkostenquote in der Zahnarztpraxis: die von den Fremdlaborausgaben klar abzugrenzende, praxisintern anfallende Kostenposition.

Praxisfinanzierung in der Zahnarztpraxis: Investitionsentscheidungen, bei denen laborintensive Leistungsschwerpunkte die künftige Kostenstruktur mitbestimmen.

Praxisformen und Niederlassung in der Zahnarztpraxis: die Organisationsform der Praxis, von der abhängt, ob eine Quote je Praxis oder je Inhaber gebildet wird.

Personalkostenquote Zahnarztpraxis: der größte Kostenblock einer Praxis, von der Laborkostenquote klar abzugrenzen und regional gegenläufig verteilt.

Quellen

  1. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Jahrbuch 2025, Kapitel “Betriebswirtschaftliche Daten der Zahnarztpraxen”, Abschnitt “Kostenstruktur und Einkommensverteilung”, Tab. 5.3, 5.7, 5.11 sowie Abb. 5.6, S. 109 bis 126. 2025. https://www.kzbv.de/wp-content/uploads/KZBV_Jahrbuch_2025_Web_ohne_GOZ.pdf
  2. Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Daten und Zahlen. Fassung abgerufen am 22.07.2026. https://www.bzaek.de/ueber-uns/daten-und-zahlen.html
  3. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ): Zahnärztliche Existenzgründungsforschung. Abgerufen am 22.07.2026. https://www.idz.institute/leuchtturmprojekte/zahnaerztliche-existenzgruendungsforschung/
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressevorschau, Ankündigung der Veröffentlichung “Aufwendungen, Einnahmen und Reinerträge von Arzt-, Zahnarzt- und psychotherapeutischen Praxen” für den 23.07.2026. Abgerufen am 22.07.2026. https://www.destatis.de/DE/Home/_inhalt.html
  5. Zentralinstitut für die kassenzahnärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Zahnärzte-Praxis-Panel. Abgerufen am 22.07.2026. https://www.zi.de/themen/panel-befragungen-und-oekonomie/zahnaerzte-praxis-panel

Unsicherheiten

Zur Laborkostenquote nach Fachrichtung, etwa für kieferorthopädisch tätige Praxen, oder nach Praxisgröße und Praxisform enthält die ausgewertete KZBV-Quelle keine Angaben; entsprechende Werte fehlen deshalb bewusst. Welchen Anteil an den Fremdlaborausgaben Zahnersatzleistungen im Vergleich zu anderen laborgefertigten Leistungen wie Schienen haben, weist die Quelle nicht gesondert aus. Die Ursachen für das überproportionale Wachstum der Fremdlaborausgaben in den neuen Bundesländern (+17,4 Prozent gegenüber +7,8 Prozent in den alten Bundesländern) benennt die Quelle nicht. Eine neue amtliche Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamts war für den 23.07.2026 angekündigt und lag zum Prüfdatum dieses Beitrags noch nicht vor; künftige Überarbeitungen sollten sie ergänzend prüfen.

Dieser Beitrag wurde redaktionell erstellt und fachlich geprüft. Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Cookies, transparent.

Wir nutzen Cookies, die diese Website am Laufen halten - und optional Statistik-Tools (Microsoft Clarity), damit wir die Seite weiter verbessern. Sie entscheiden selbst.

NotwendigImmer aktiv
mm_c_*MarModifyUnbegrenzt
mm_vidMarModifyUnbegrenzt
AnalyseHilft uns, die Nutzung zu verstehen
_clckMicrosoft Clarity1 Jahr
_clskMicrosoft Clarity24 Stunden
CLIDMicrosoft Clarity1 Jahr
MarketingFür personalisierte Werbung
FunktionalErweiterte Funktionen und Personalisierung