Praxis-Betriebswirtschaft Auch für KFO-Praxen

Fallwert optimieren

Zuletzt geprüft am 22. Juli 2026 8 Minuten Lesezeit

Kurzdefinition

Fallwert optimieren bedeutet, den durchschnittlichen Umsatz je Behandlungsfall gezielt und im Rahmen der medizinischen Indikation zu steigern, statt den Umsatz allein über eine höhere Patientenzahl zu erhöhen. Ansatzpunkte sind ein einheitliches Leistungsspektrum aller Behandler, eine konsequente Aufklärung zu Zuzahlungsleistungen und eine höhere Abschlussquote bei Heil- und Kostenplänen.

Auf einen Blick

  • Praxisberatungen nennen als Stellschrauben unter anderem die Zuzahlungsquote, die Laborquote, HKP-Abschlussquoten und die Leistungshomogenität zwischen Behandlerinnen und Behandlern (Kock & Voeste 2023).
  • Innerhalb von Mehrbehandlerpraxen bestehen teils Fallwertschwankungen von bis zu 100 Euro je Patient zwischen einzelnen Behandlerinnen und Behandlern – ein Hinweis auf ungenutztes Potenzial (Kock & Voeste 2023).
  • Rund 43 Prozent der Praxen mussten ihr Behandlungsangebot laut einer Sonderbefragung im KZBV-Jahrbuch bereits wegen Personalmangels einschränken (KZBV Jahrbuch 2025); unter dieser Kapazitätsgrenze wird der Fallwert neben der Patientenzahl zum zentralen Umsatzhebel.
  • Der Fallwert unterscheidet sich rechnerisch stark nach Leistungsbereich: rund 93,52 Euro je Fall bei konservierend-chirurgischer Behandlung gegenüber rund 468,82 Euro je Fall bei Zahnersatz (2024, eigene Berechnung nach KZBV Jahrbuch 2025), ein Hinweis darauf, wie stark das Leistungsspektrum den Fallwert prägt.
  • Recall- und Prophylaxeprogramme gelten in der Praxisberatung als Ansatzpunkt, um den Wert einzelner Patientenbeziehungen über mehrere Jahre zu erhöhen, in Anlehnung an einen berichteten Umsatz von rund 500 Euro je Patient und Jahr aus Gesprächen mit über 200 Praxen (bookedoutdentist.de, abgerufen 22.07.2026).

Einordnung

Die Optimierung des Fallwerts unterscheidet sich grundsätzlich von der Steigerung der Patientenzahl: Während mehr Patientinnen und Patienten zusätzliche Termin-, Raum- und Personalkapazität erfordern, zielt eine Fallwert-Optimierung darauf, den wirtschaftlichen Ertrag je bestehendem Behandlungsfall zu erhöhen, etwa durch ein vollständigeres, konsequenter umgesetztes Leistungsspektrum. Beide Hebel schließen sich nicht aus, wirken aber unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen: Bei knapper Personaldecke ist der Fallwert häufig der zugänglichere Hebel, da er keine zusätzlichen Behandlungstermine voraussetzt.

Praxisberatungen ordnen die dazu nötigen Stellschrauben unterschiedlichen Betrachtungsebenen zu: Die Zuzahlungsquote und die Laborquote gehören zur sogenannten Praxisperspektive, mit der Stärken und Schwächen einer Praxis analysiert werden, während Kennzahlen wie Umsatz je Stunde, Umsatz je Behandlungseinheit oder die HKP-Abschlussquote der genaueren Detailperspektive zugeordnet werden, in der konkrete Stellschrauben zur Leistungssteigerung identifiziert werden (Kock & Voeste 2023). Eine amtliche Vorgabe, wie ein Fallwert zu steigern sei, existiert nicht; Kammern und Kassenzahnärztliche Vereinigungen positionieren sich zu dieser betriebswirtschaftlichen Frage nicht.

Von einer reinen Preiserhöhung ist die Fallwert-Optimierung abzugrenzen: Sie setzt an der Vollständigkeit und Konsequenz der medizinisch indizierten Leistungserbringung an, nicht an isolierten Preisanpassungen ohne veränderten Leistungsinhalt.

Relevanz für die Praxis

Für Sie als Praxisinhaberin oder Praxisinhaber gewinnt der Fallwert als Hebel dort an Bedeutung, wo die Zahl der behandelbaren Fälle an ihre Grenze stößt. Rund 43 Prozent der Praxen mussten laut einer Sonderbefragung im KZBV-Jahrbuch ihr Behandlungsangebot bereits wegen fehlenden Personals einschränken (KZBV Jahrbuch 2025). Unter diesen Bedingungen lässt sich der Umsatz kaum noch über zusätzliche Patiententermine steigern, wohl aber über einen höheren wirtschaftlichen Ertrag je bereits vorhandenem Fall.

Wirtschaftlich verstärkt wird diese Relevanz durch die hohe Kapitalbindung einer Zahnarztpraxis: 2024 betrug das Investitionsvolumen einer Einzelpraxisübernahme im Schnitt 450.000 Euro, der Kaufpreisanteil davon 226.000 Euro (IDZ, Klingenberger 2025). Ein Investitionsvolumen dieser Größenordnung verzinst sich schneller, wenn die vorhandene Behandlungskapazität einen höheren Fallwert erwirtschaftet, statt allein auf zusätzliche Fallzahlen zu setzen, die zusätzliche Kapazität voraussetzen würden.

Auch innerhalb einer Praxis mit mehreren Behandlerinnen und Behandlern eröffnet der Fallwert Potenzial: Beobachtete Schwankungen von bis zu 100 Euro je Patient zwischen einzelnen Behandlern (Kock & Voeste 2023) deuten darauf hin, dass sich allein durch eine Angleichung an das intern bereits erreichte Niveau Umsatz heben lässt, ohne dass zusätzliche Patienten oder Kapazitäten nötig wären.

Was bei der Umsetzung zählt

Arbeiten Sie zuerst an der Leistungshomogenität zwischen Behandlerinnen und Behandlern mit vergleichbarem Behandlungsspektrum: Praxisberatungen empfehlen dazu unter anderem Coachings zur Patientenkommunikation, damit alle Behandler medizinisch indizierte Zuzahlungsleistungen ähnlich konsequent besprechen (Kock & Voeste 2023). Ziel ist ein einheitliches Niveau, nicht eine Angleichung nach unten oder eine Ausweitung über die medizinische Indikation hinaus.

Prüfen Sie die Abschlussquote bei Heil- und Kostenplänen. Werden für denselben Versorgungsfall wiederholt mehrere Kostenvoranschläge erstellt, bindet das Zeit in der Verwaltung, ohne dass daraus zusätzlicher Umsatz entsteht, da ohnehin nur ein Plan umgesetzt werden kann (Kock & Voeste 2023). Eine klar strukturierte Erstberatung kann diesen Aufwand senken und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein vollständiger, medizinisch sinnvoller Behandlungsplan tatsächlich umgesetzt wird.

Nutzen Sie Recall- und Prophylaxeprogramme, um den Wert einzelner Patientenbeziehungen über mehrere Jahre zu entwickeln, statt jeden Termin isoliert zu betrachten. In der Praxisberatung wird hierzu teils mit einem mehrjährigen Betrachtungszeitraum gearbeitet, in dem sich wiederkehrende Kontakte zu einem deutlich höheren Gesamtwert je Patient summieren als ein einzelner Termin (bookedoutdentist.de, abgerufen 22.07.2026).

Prüfen Sie zuletzt, ob Ihr Leistungsspektrum medizinisch indizierte Bereiche mit höherem Fallwert wie Zahnersatz oder Parodontalbehandlung angemessen abdeckt oder ob solche Patientinnen und Patienten überwiegend überwiesen werden, ohne dass dafür ein fachlicher Grund vorliegt.

Zahlen und Kontext

Wie groß der Unterschied zwischen Leistungsbereichen ausfällt, zeigt der rechnerische Fallwert für 2024: rund 93,52 Euro je Fall bei konservierend-chirurgischer Behandlung, aber rund 468,82 Euro je Fall bei Zahnersatz, rund 174,52 Euro bei Kieferorthopädie und rund 181,84 Euro bei Kiefergelenk- und Kieferbruchbehandlung (eigene Berechnung nach KZBV Jahrbuch 2025, Tab. 3.5, 3.9 und 3.10). Eine Praxis, die medizinisch indizierte Leistungen aus höherwertigen Bereichen konsequent selbst erbringt, statt sie routinemäßig zu überweisen, verändert damit ihren Fallwert spürbar.

Innerhalb von Praxen mit mehreren Behandlerinnen und Behandlern beobachtet die Praxisberatung Kock & Voeste Fallwertschwankungen von bis zu 100 Euro je Patient (Kock & Voeste 2023); bei mehreren hundert Fällen je Behandler und Jahr ergibt eine Angleichung an das höhere interne Niveau einen spürbaren Unterschied im Praxisumsatz, auch ohne eine genau bezifferbare Hochrechnung im Einzelfall.

Die Investitionsseite verdeutlicht die wirtschaftliche Tragweite: 2024 lag das Investitionsvolumen einer Einzelpraxisübernahme im Schnitt bei 450.000 Euro, bei einer Neugründung im Median bei 690.000 Euro (IDZ, Klingenberger 2025). Ein höherer Fallwert trägt bei gleichbleibender Fallzahl unmittelbar zur Verzinsung dieses gebundenen Kapitals bei.

Typische Fehler

  • Zusatzleistungen ohne medizinische Indikation empfohlen: Eine Fallwert-Steigerung, die allein auf zusätzlichem Umsatz statt auf tatsächlichem Behandlungsbedarf beruht, gefährdet das Vertrauen der Patientinnen und Patienten und wirft berufsrechtliche Fragen auf.
  • Reine Preiserhöhung statt Leistungsentwicklung: Wird der Fallwert nur über höhere Steigerungssätze angehoben, ohne den Leistungsinhalt zu verändern, bleibt die zugrunde liegende Wertschöpfung unverändert und die Maßnahme wirkt nur kurzfristig.
  • Fokus allein auf einzelne Behandler statt auf das gesamte Team: Wer nur einzelne Behandlerinnen oder Behandler zur Steigerung anhält, ohne strukturelle Ursachen wie Terminplanung oder Aufklärungsprozesse zu prüfen, verfehlt oft die eigentliche Ursache der Schwankung.
  • HKP-Mehrfacherstellung als Kundenservice missverstanden: Mehrere Kostenvoranschläge für denselben Fall binden Verwaltungszeit, ohne die Abschlusswahrscheinlichkeit verlässlich zu erhöhen, und verzögern eher die tatsächliche Behandlung.

Häufige Fragen

Ist eine Fallwert-Steigerung dasselbe wie höhere Preise? Nein. Die Optimierung setzt an der Vollständigkeit und Konsequenz medizinisch indizierter Leistungen an, nicht an isolierten Preisanpassungen ohne veränderten Leistungsinhalt. Eine reine Preiserhöhung verändert die zugrunde liegende Wertschöpfung nicht.

Welche Stellschrauben nennt die Praxisberatung konkret? Unter anderem die Zuzahlungsquote, die Laborquote, HKP-Abschlussquoten sowie die Leistungshomogenität zwischen Behandlerinnen und Behandlern mit vergleichbarem Behandlungsspektrum (Kock & Voeste 2023).

Warum sind Fallwertschwankungen zwischen Behandlern relevant für die Optimierung? Weil sie zeigen, dass innerhalb derselben Praxis bereits ein höheres Niveau erreicht wird. Beobachtete Schwankungen von bis zu 100 Euro je Patient (Kock & Voeste 2023) deuten auf Potenzial hin, das sich durch Angleichung heben lässt, ohne zusätzliche Patienten zu benötigen.

Welche Rolle spielt Recall bei der Fallwert-Optimierung? Recall- und Prophylaxeprogramme entwickeln den Wert einer Patientenbeziehung über mehrere Jahre, statt jeden Termin isoliert zu betrachten, und gelten in der Praxisberatung als ergänzender Ansatzpunkt neben der Optimierung einzelner Behandlungsfälle.

Warum ist bei der Optimierung besondere Sorgfalt geboten? Weil jede Maßnahme, die den Fallwert steigert, medizinisch indiziert und für Patientinnen und Patienten nachvollziehbar bleiben muss. Eine Steigerung ohne fachlichen Grund gefährdet das Vertrauensverhältnis und damit langfristig auch den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis.

Verwandte Begriffe

  • Fallwert berechnen: die Grundlage, ohne die sich eine Optimierung nicht messen lässt.
  • Fallwert in der Zahnarztpraxis: die allgemeine Einordnung der Kennzahl im Kennzahlensystem.
  • Fallwert-Kennzahl verstehen: notwendiges Hintergrundwissen, um Optimierungserfolge richtig zu deuten.
  • Personalkostenquote Zahnarztpraxis: die kostenseitige Ergänzung, die bei Investitionen in eine Fallwert-Steigerung mitzuwägen ist.
  • HKP-Abschlussquote steigern: konkreter Teilhebel innerhalb der Fallwert-Optimierung.

Quellen

  1. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Jahrbuch 2025, Kapitel Betriebswirtschaftliche Daten und Abrechnungsstatistik, Tab. 3.5, 3.9, 3.10. 2025. https://www.kzbv.de/wp-content/uploads/KZBV_Jahrbuch_2025_Web_ohne_GOZ.pdf
  2. Kock + Voeste (Michael Otto): Kennzahlen für die Zahnarztpraxis. In: praxis implantologie heute, Ausgabe 00/2023. 2023. https://kock-consulting.de/wp-content/uploads/Kennzahlen-Zahnarztpraxis.pdf
  3. bookedoutdentist.de: Kennzahlen Zahnarztpraxis. Konkrete Benchmarks aus 200+ Praxen. Abgerufen am 22.07.2026. https://www.bookedoutdentist.de/kennzahlen-zahnarztpraxis/
  4. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), Klingenberger, D.: Investitionen bei der zahnärztlichen Existenzgründung 2024 (InvestMonitor Zahnarztpraxis). Zahnmed Forsch Versorg 2025, 5: 03. 2025. https://www.idz.institute/fileadmin/Content/Publikationen-PDF/Weitere_Dokumente/Online-Journal_03_2025.pdf
  5. ZWP online, Stolz, M., Nehlsen, M.: Stundensätze und Leerzeiten in der Zahnarztpraxis. 2023. https://www.zwp-online.info/zwpnews/wirtschaft-und-recht/praxismanagement/stundensatze-in-der-zahnarztpraxis
  6. Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Daten und Zahlen. Abgerufen am 22.07.2026. https://www.bzaek.de/ueber-uns/daten-und-zahlen.html

Unsicherheiten

Konkrete, unabhängig überprüfte Wirkungsgrößen dafür, um wie viel Euro oder Prozent sich der Fallwert durch einzelne Maßnahmen wie Coachings oder eine höhere HKP-Abschlussquote steigern lässt, liegen nicht vor; die genannten Stellschrauben stammen aus der Erfahrung einer einzelnen Praxisberatung (Kock & Voeste 2023) und einer weiteren Quelle mit eigenem, nicht offengelegtem Datenpool (bookedoutdentist.de). Die als Vergleich herangezogenen rechnerischen Fallwerte je Leistungsbereich sind eigene Berechnungen aus KZBV-Daten und keine Kennzahl, die speziell für Optimierungszwecke veröffentlicht wird. Wie stark sich eine Angleichung der Fallwertschwankungen zwischen Behandlerinnen und Behandlern in einer konkreten Praxis wirtschaftlich auswirkt, hängt von der jeweiligen Fallzahl und dem Leistungsspektrum ab und lässt sich nicht pauschal beziffern.

Dieser Beitrag wurde redaktionell erstellt und fachlich geprüft. Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

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